Wytches & Through the Woods: Knusperhäuschen war gestern!

Hach, Gruselgeschichten und ich sind ja schon seit meiner Kindheit dicke Freunde. Wie so viele Kinder bin auch ich an Sonntagen extra früh aus dem Bett gesprungen um meine Lieblings-Cartoons zu schauen. HÄ? Früher aufgestanden? Am Sonntag?? Um Fernsehen zu gucken??? Wahnsinn. Heutzutage plumpse ich ja eher wie ein nasser Sack aus dem Bett, nachdem ich 500 Mal auf Snooze gedrückt hab. Das waren noch Zeiten damals, hach! Denn während sich Kinder heutzutage japanische Zeichentrickserien reinpfeifen, die mir höchst verdächtig erscheinen epileptische Anfälle auslösen zu können, habe ich in den 90ern neben der Ghostbusters- und Scooby-Doo-Cartoonserie vor allem die Geschichten aus der Gruft geschaut. Und wie innovativ die teilweise damals waren! Die hatten nämlich schon einen nervigen Prinz Charming, lange vor Shrek, toll! 

Heutzutage ist der Gruselgehalt solcher Kinderserien zwar Pillepalle (tatsächlich eingetragens Wort im DUDEN) für mich, aber die Freude an Gruselgeschichten ist geblieben. Nur müssen da jetzt härtere Geschütze aufgefahren werden, um mich zu beeindrucken. Verdammt. Mal gucken, was die vorliegenden zwei Comics können. Gänsehaut, here I come!

Through the Woods

Über diesen Band bin ich eher zufällig gestolpert, aber dann war die Freude umso größer. Ausgefallenes Artwork und gruselige Geschichten, die einen wirklich mitreissen! Für einen verregneten Abend genau das richtige... Von einer kleinen Familie in Wald, deren Mitglieder nach und nach verschwinden bis über zwei Freundinnen, die aus Spaß Séancen veranstalten und es plötzlich nicht mehr spaßig ist bis hin zu der gruseligen neuen Freundin des Bruders, die anscheinend ein nicht so schönes "wahres Gesicht" zu haben scheint, ist alles dabei. Und das in bester Stephen King Tradition!

Alle Geschichten haben gemeinsam, dass am Ende zwar immer aufgelöst wird, aber auf die Art, bei der man denkt "Oh no!". Es scheint zwar kein Entkommen für die Protagonisten zu geben, aber trotzdem bleibt auch immer irgendwie der Hauch einer Chance... Ganz großartig! Zudem sind einige Geschichten an bekannte Legenden angehaucht, aber es sind auch welche dabei, die ich so noch nicht kannte.

Zudem ist das hier wirklich Kunst. Guckt euch das mal an, ist dat nicht schön? Das Artwork ergibt im Zusammenspiel mit den meist kurzen, aber aussagekräftigen Texten einen tollen Spannungsaufbau. Wer Filme wie The sixth Sense, The Shining oder The Others mag, der sollte hier auch zuschlagen, unbedingt!

Auf der Homepage von Emil Carroll gibt es übrigens noch mehr Gruselgeschichten, yay!

 

Autorin: Emily Carroll

Zeichnerin: Emily Carroll

Release: Juli 2014

Verlag: Faber & Faber

Sprache: Englisch

Inhalt: 208 Seiten

Preis: ca. 10 Euro

The Wytches

Also eins steht fest: Bibi Blocksberg muss wieder gaaanz viel Image-Pflege für Hexen betreiben, denn die kommen bei Scott Snyder gar nicht gut weg. Eieiei, die sind wirklich finster drauf und wären für Hensel vielleicht mal 'ne richtige Challenge. Nix da mit Knusperhäuschen! Oder die Kinder erst in den Ofen! Pah! Die Hexen hier würden Hensel bei lebendigem Leib verspeisen! Die hier sind nämlich wirklich gruselig... 

Das kriegt auch schnell Sailor mit, die mit ihrem Vater Charlie und ihrer Mutter aufgrund gewisser "Vorkommnisse" in eine andere Stadt gezogen ist. Aber leider scheint Sailor vom Pech (oder vielleicht was anderem...?) verfolgt zu werden. Das macht sie nicht nur langsam aber sicher wahnsinnig, sondern ist zu allem Überfluss auch eine Belastungsprobe für ihre Eltern, die auch eine bewegte Zeit hinter sich haben: Vati ist trockener Alkoholiker und ihre Mutter sitzt seit einem mysteriösen Autounfall im Rollstuhl. Zu allem Überfluss scheint Sailor in letzter Zeit DInge zu sehen und zu hören, die nun wirklich nichts für zarte Mädchengemüter sind.

Aber damit hier keine Missverständnisse aufkommen: die Hexen tauchen immer mal wieder auf und treiben die Geschichte voran, es wird aber mindestens genauso viel Zeit darauf bedacht, die Stimmung in der Familie und die Beziehungen untereinander zu beleuchten. Kann man mögen, muss man nicht. Und diese Familie hier habe ich ehrlich gesagt noch nicht so ganz in mein Herz geschlossen. Vati ist mir irgendwie zu übermotiviert und Mutti sagt nicht viel, hm. Viel lieber hätte ich nocht mehr von den Hexen gesehen! Noch viel, viel mehr! Gut, besoners hübsch sehen sie ja nicht aus, nech. Da würde noch eher ein Predator eine Miss-Wahl gewinnen als die zähen alten Lederlappen. Aber erst zum Ende hin erfährt man mehr von ihnen und dann mischen sie nochmal ordentlich alle auf. Yippie!

 

Außerdem laufen gefühlt einige der Handlungsstränge ein wenig ins Leere... Da gibt ein Reh mal kurz ein Stelldichein im heimischen Wohnzimmer und stirbt auf verstörende Art und Weise direkt wieder, aber yoah. Passiert! Scheint irgendwie auch keine Bedeutung zu haben. Oder sie ist mir entgangen. Auch die Handlungsmotivation einer Figuren finde ich mitunter... hm, also ich weiß nicht. Nicht nachvollziehbar, gelinde gesagt. Wobei ich Wytches grundsätzlich sehr vielversprechend finde, weil es einen spannenden Aspekt aufmacht: Wer sind hier eigentlich die bösen Hexen? Ich sag nur Angebot und Nachfrage... Aber so richtig Gänsehaut-Feeling kam hier nicht auf, da war mir zuviel Familienblabla im Weg. Und wo bleiben eigentlich die schwarzen Katzen? Sind die auch schon out bei Hexen? Anscheinend. Oder sie sind gerade damit beschäftigt die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wahrscheinlich letzeres.

 

Autor: Scott Snyder

Zeichner: Jock

Verlag: Image Comics (engl.) / Splitter Verlag (dt.)

Inhalt: Softcover, Wytches 1-6

Preis: ca. 10 Euro / 24,80 Euro


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